In den letzten Jahren hat das Bewusstsein für die Auswirkungen eines verkürzten Zungenbandes deutlich zugenommen. Immer häufiger rückt dieses Thema daher in den Fokus von Fachpersonenwie Hebammen, Logopäden oder Zahnärzten.
Das Zungenband, auch Frenulum linguae genannt, entsteht bereits während der embryonalen Entwicklung. Es ist ein Überrest der körpermittigen „Naht“, die sich normalerweise in der 12. Schwangerschaftswoche durch einen kontrollierten Zelltod (Apoptose) zurückbildet.
Das zu kurze Zungenband ist kein neu entdecktes Phänomen – es gibt Hinweise darauf, dass es schon seit der Antike (Hippokrates (ca. 460-370 v. Chr.) und andere antike Ärzte) bekannt ist. Allerdings war das medizinische und gesellschaftliche Verständnis über Jahrhunderte sehr unterschiedlich und wechselhaft.
Der Wissensstand ist in den verschiedenen Berufsgruppen nach wie vor uneinheitlich. So kann es vorkommen, dass die Diagnose bereits im Neugeborenenalter gestellt wird – während in anderen Fällen die Ursache erst im Jugend- oder Erwachsenenalter erkannt wird.
Eines ist jedoch für jede Profession sicher. Das Zungenband kann durch Übungen NICHT gedehnt werden, da es vor allem aus Kollagen Typ 1 besteht (sehr zugfest).
Was ist das Zungenband?
Das Zungenband (Frenulum linguae) ist eine bindegewebige Struktur, die mit Mundschleimhaut überzogen ist. Es verbindet die Zungenunterseite mit dem Mundboden. Über Faszien steht das Zungenband in Verbindung mit dem gesamten Körper – von Kopf bis zu den Zehen.
Bei etwa 5% aller Neugeborenen ist das Zungenband verkürzt. Dadurch ist die Zunge in ausgeprägten Fällen in ihrer Beweglichkeit beeinträchtigt. Dies führt schon im Säuglingsalter zu Stillproblemen und zu Schwierigkeiten beim Saugen, Trinken und Schlucken.
Das Zungenband kann aus einem vorderen (Anterioren), mittleren (Medianen) und hinteren (Posterioren) Teil bestehen. Das anteriore Zungenband setzt weit vorne an, das posteriore Zungenband weiter hinten. Das Erscheinungsbild des Zungenbands ist bei jedem Menschen individuell.
Das Zungenband wird sichtbar, wenn die Zungenspitze bei weit geöffnetem Mund Richtung Schneidezähne gehoben wird. Bei einigen Menschen ist es kaum erkennbar (submuköses Zungenband).
Synonyme: Zungenband, Zungenbändchen, Zungenbandfalte, Zungenbandfaszie, sublinguale Falte oder Faszie
Multifaktorieller Symptomkomplex!
Ist das Zungenband zu kurz, führt dies nach der Schwangerschaft fast immer zu Stillproblemen bei Säuglingen. Im späteren Verlauf kann es zu Sprachproblemen führen. Wird dies nicht behandelt, kann es im Erwachsenenalter zu Kiefer- oder Zahnfehlstellungen führen und Kopf- oder Nackenschmerzen verursachen.
Ein zu kurzes Zungenband kann eine Vielzahl von Beschwerden verursachen, die teils einzeln, oft aber in Kombination auftreten und sich in verschiedenen Altersstufen unterschiedlich bemerkbar machen.
Frühe Entwicklung
Beikost- und Kleinkindphase
Atmung und Schlaf
Sprachentwicklung
…
außerdem
Kieferentwicklung und Zahnstellung
Weitere mögliche Auffälligkeiten!
Beispiele
„Eifelturm“
spitz-gotischer Gaumen
Zungenbelag
Fehlstellungen/ Verspannungen/
Kopfschmerzen
erzwungener Mundschluss
Was tun bei Verdacht?
Wenn Ihnen eines oder mehrere der aufgezählten Symptome bei sich selbst oder Ihrem Kind bekannt vorkommen, sprechen Sie mit Ihrem Zahnarzt, Kieferorthopäden, Kinder- oder Hausarzt. Diese können eine Verordnung für eine logopädische Diagnostik und Therapie ausstellen.
Was macht die Logopädie?
Besteht ein klinischer Verdacht einer Ankyloglossie?
Dann findet eine differenzierte Beurteilung der Zungenfunktion sowie des orofazialen Bereichs insgesamt durch die Logopädie statt. Daraufhin tritt diese in einen interdisziplinärer Austausch mit einer spezialisierten ärztlichen Fachkraft zur weiterführenden Diagnostik & ggf. operativen Intervention (Frenotomie). Dieser wird mit Hilfe eines Logopädischen Befundes einschließlich Bildaufnahmen untermauert.
Therapeutisches Vorgehen
Die operative Trennung des Zungenbandes (Frenotomie) sollte ausschließlich von einer Ärztin oder einem Arzt durchgeführt werden.
Es werden idealerweise Stillberater*innen, Logopäden, Physiotherapeut*innen und Osteopath*innen hinzugezogen, um die Eltern zu beraten und die Therapie vor und nach dem Eingriff zu unterstützen.
Warum Nasenatmung?
Die Nasenatmung ist für unsere Gesundheit von zentraler Bedeutung und sollte – wenn möglich – sowohl tagsüber als auch nachts bevorzugt werden. Beim Atmen durch die Nase übernimmt diese mehrere wichtige Funktionen: Sie reinigt die eingeatmete Luft von Schmutzpartikeln, erwärmt sie und sorgt für eine optimale Befeuchtung, bevor sie in die Lunge gelangt.
Säubern – Befeuchten – Erwärmen
Ein weiterer entscheidender Vorteil der Nasenatmung liegt in der Produktion und Speicherung von Stickstoffmonoxid (NO) in den Nasennebenhöhlen. Dieses Gas wird bei der Nasenatmung der Atemluft beigemischt. Stickstoffmonoxid hat eine schützende Wirkung in der Lunge, da es Krankheitserreger abtöten kann – man spricht von einer „pulmoprotektiven“ Wirkung. Darüber hinaus fördern Abkömmlinge des NO die Weitung von Blutgefäßen und Bronchien, was die Sauerstoffaufnahme erleichtert.
Durch diese Effekte wird der Luftaustausch in den Lungenbläschen effizienter: Die Sauerstoffsättigung im Blut steigt, und der Sauerstoff kann besser im Körper verteilt werden. All das zeigt: Die Nasenatmung ist ein natürlicher Schutz- und Unterstützungsmechanismus für unsere Atmung und unsere Gesundheit – und sollte daher der Mundatmung klar vorgezogen werden.
Was ist eine Frenotomie bzw. Sublinguale Frenulofaszienplastik (SFFP)?
Der operative Eingriff wird unter lokaler Betäubung, innerhalb weniger Sekunden, bestenfalls mit einem CO2- Laser, durchgeführt. Andere medizinische Methoden sind die Nutzung von Schere, Diodenlaser oder Elektrotom – einem elektrischen Skalpell.
Die Laserbehandlung mit CO2-Laser ist eine kontaktlose, schonende Methode. Sie ist präzise, blutungsarm und führt zu einer schnellen Wundheilung.
Hierbei gibt es Besonderheiten bei der Behandlung von Säuglingen. Hier ist keine Naht notwendig. Die Wunde heilt offen ab. Typisch für eine vollständige Trennung ist eine rautenförmige Wunde.
Bei stillenden Babys wird direkt nach dem Eingriff Stillen empfohlen – das hilft bei der Wundheilung und fördert sofort die neue Beweglichkeit der Zunge. Das Kühlen der Wunde in den Tagen danach kann hilfreich sein.
Für den Erfolg!
Die Vor- und Nachsorge durch Stillberater*innen oder Logopäden ist wichtig, um die Wundheilung zu beobachten und notwendige Übungen zu etablieren.
Wichtige Punkte!
Die Entscheidung für eine bestimmte Behandlungsmethode hängt von der individuellen Situation ab und sollte mit Fachpersonal besprochen werden.
Fortgebildete Laktationsberater*innen, Hebammen, Zahnärzte und Kinderärzte sollten das Zungen- und Lippenband routinemäßig prüfen.
Einige Zungenbandzentren bieten auch Beratung und Unterstützung für Eltern von Kindern mit verkürztem Zungenband an.
Eine gute Vor- und Nachsorge sind entscheidend für eine erfolgreiche Therapie des zu kurzen Zungenbandes.
Die Nachbehandlung, einschließlich Dehnübungen, ist ein wichtiger Teil des Behandlungsprozesses, um ein erneutes Anwachsen des Bandes zu verhindern. Die Eltern werden in der Technik angeleitet und betreut.
Die Zusammenarbeit zwischen Still- und Laktationsberater*in, Hebamme, oraler Therapeut*in, Zahnarzt/Zahnärztin, Arzt/ Ärztin, Logopäde/ Logopädin, Osteopath*in und Chiropraktiker*in ist entscheidend für den Therapieerfolg (interdisziplinäres Netzwerk).
Informationen von Zungenbandexperten gibt es hier!
Eine Trennung des Zungenbandes mit einer Schere oder einem Skalpell wird in der Regel von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, wenn eine medizinische Indikation vorliegt. Bevorzugt man hingegen eine Trennung mit einem Laser, so müssen gesetzlich Versicherte für diese Kosten selbst aufkommen. Die Kosten liegen hierfür zwischen 200 und 400 €.
Die vollständige Trennung des Zungenbandes verändert anatomische Fehlentwicklungen.
Nehmen Sie Kontakt zu uns auf. Wir freuen uns darauf, Sie in unserer Praxis begrüßen zu dürfen.