Therapieraum Logopädischen Praxis Blanck.
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Warteraum Logopädische Praxis Blanck in Rostock Lütten Klein.
Therapieraum 2 in Rostock Evershagen - Logopädische Praxis Blanck
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Erläuterungen zu folgenden Themen aus der Logopädie

Das ganzheitliche Therapiekonzept der Neurofunktionellen Reorganisation nach Beatriz A. E. Padovan - Das Mundprogramm


1. Erscheinungsbild


  • Hat Ihr Kind häufig eine offene Mundhaltung oder Zahnabdrücke auf der Unterlippe?
  • Hat Ihr Kind Bissspuren in der Innenseite der Wangen oder Beißecken an den Lippen?
  • Hat Ihr Kind eine Zahnfehlstellung?
  • z.B. drückt die Zunge gegen die oberen Frontzähne
  • Erscheint der gesamte Mundbereich Ihres Kindes schlaff in der Muskulatur?
  • z.B. wulstige Unterlippe, aufgedunsene Wangen
  • Lispelt Ihr Kind oder zeigt es sonst Auffälligkeiten in der Aussprache?
  • z.B. klingt es verwaschen und undeutlich
  • Hat Ihr Kind Probleme beim Kauen von fester Nahrung?
  • z.B. Apfel, Möhren, Schwarzbrot
  • Bevorzugt Ihr Kind eher breiige Kost?

2. Dieses Erscheinungsbild kann entstehen, wenn…


  • das Kind nicht gestillt wurde
  • Angewohnheiten bestehen wie z.B. zu langes Sauger- oder Daumenlutschen, Zähneknirschen, Fingernägel beißen
  • das Kind mit der Zunge beim Schlucken gegen die oberen Frontzähne drückt (infantiles Schlucken)
  • eine zu schwache Muskulatur auf Grund von neurologischen Erkrankungen oder durch falsche Gewohnheiten beim Kind besteht
  • das Kind unter ständigem Schnupfen auf Grund von vegetativen Veränderungen in der Nase, den Nasennebenhöhlen oder des Rachens leidet z.B. Polypen, vergrößerte Rachenmandeln

3. Beschreibung und Prognose


Die neurologische Organisation beschreibt die natürlichen Phasen in der Entwicklung eines Kindes, dem natürlichen Reifeprozess. Dieser sollte mit ca. 7 Jahren abgeschlossen sein, ist aber bis dahin noch nicht komplett ausgereift. Ist der Entwicklungsprozess in irgendeiner Weise fehl gelaufen, müssen alle Phasen in der natürlichen Reihenfolge wiederholt werden, um entstandene Fehler zu beheben und auszugleichen. Diesen Vorgang nennt Frau Padovan „neurologische Reorganisation“. Die logopädische Therapie beruht auf der Wiederholung der wichtigsten natürlichen Entwicklungsphasen des Menschen, die bei der Organisation des Nervensystems eine Rolle spielen.

Das Mundprogramm nach Beatriz Padovan wird zum Aufbau und zur Verbesserung der Wahrnehmung, Sensibilität und zur Kräftigung der Muskulatur im Mundbereich genutzt. Hierbei stehen die Mundfunktionen (reflektorisch/vegetativ) im Vordergrund. Die Funktionen Atmung, Saugen, Kauen und Schlucken bestimmen das Gleichgewicht der Muskulatur und der Muskelfunktionen. Dabei stellen sog. „schlechte“ Gewohnheiten wie z.B. Mundatmung, das Nuckeln und ein mögliches falsches Schlucken Abweichungen oder Fehlfunktionen dar. Die Anwendung des Programms ist sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen möglich.

Das Therapiematerial, bestehend aus verschiedenen Hilfsmitteln (z.B. Trainingssauger, Kauknöchelchen, Pusterüssel), sollen dem Patienten zur Verbesserung der Funktionen Atmung, Saugen, Kauen und Schlucken verhelfen. Die Übungen werden strukturiert und je nach Alter des Patienten mit Hilfe von Aufzählungen, Versen oder Liedern angeboten. Das Ziel des Mundprogramms ist erreicht, wenn der/die Betroffene jede Übung problemlos mit geringem Kraftaufwand bewältigen kann. Jede Übung des Mundprogramms kann im Schwierigkeitsgrad gesteigert werden. Eine zeitliche Eingrenzung der Erreichung des Therapieziels ist nicht möglich, da es immer auf den Betroffenen selbst und dessen Fähigkeiten, dessen Motivation sowie auf die Regelmäßigkeit der stattfindenden Therapiesitzungen ankommt. Wie in jeder Therapie ist der Therapieerfolg also von einem guten Gleichgewicht zwischen den inneren und äußeren Umständen der Patienten abhängig.

Kindliche Wortfindungsstörung


1. Erscheinungsbild hinsichtlich der Sprache


  • Kann Ihr Kind einen bestimmten Gegenstand/eine bestimmte Person etc. mal bennen und mal nicht?

Wenn nicht:

  • umschreibt Ihr Kind den Gegenstand? z. B.: „Da kann man so machen.“ oder „Wenn ich Bello Futter gebe, dann mach ich das Futter in den …. also da wo man das Futter für den Hund rein macht.“
  • denkt sich Ihr Kind ein neues Wort aus (Quatschwörter)? z. B.: „Hundeteller“, „Eierschüssel“
  • tastet sich Ihr Kind an ein Wort heran? „Ziege, Schaf, Zebra…!“ (Zielwort: Pferd)
  • bricht Ihr Kind den Satz ab?
  • z. B.: „…dann mache ich das Futter in den…“
  • verwendet Ihr Kind ein ähnlich klingendes Wort z. B.: Da hat jemand auf den „Anrufanbeorter gesprochen.“ „die Ampel“ statt dem Zielwort: die Lampe
  • sucht Ihr Kind nach Anfangsbuchstaben z. B.: „k…sch…f…Pferd“ oder fragt „Wie heißt das noch mal?“/ „Weißt du wie das heißt?“

Erscheinungsbild hinsichtlich Mimik und Gestik:


Wenn Ihr Kind einen Gegenstand oder eine Person etc. für den Moment nicht benennen kann, dann:

  • haut sich Ihr Kind an die Stirn oder reibt sich diese
  • haut es mit der Hand auf den Tisch
  • reibt sich Ihr Kind das Kinn
  • kratzt es sich oder drückt gegen den Kopf
  • wird es unruhig, rutscht beispielsweise auf dem Stuhl hin und her, spielt mit seinen Fingern oder einem Gegenstand, wirkt unsortiert oder unaufmerksam
  • zieht sich Ihr Kind zurück
  • sagt es irgendetwas, um Zeit zu gewinnen…

2. Dieses Erscheinungsbild kann entstehen, wenn…


Die Wortfindungsstörung tritt typischerweise ab einem Alter von 5 Jahren auf. Sie tritt sehr plötzlich in Erscheinung und konnte vorher aufgrund anderer Sprachentwicklungsdefizite nicht diagnostiziert werden.

Betroffene Kinder haben oft eine vorangegangene Störung in der Sprachentwicklung durchlebt, die sich vor allem durch ein spät einsetzendes Wortlernen gezeigt haben könnte. Die Kinder haben durch die zu wenige Vernetzung von Wörtern, deren Wortbedeutungen sowie deren Wortform (ausgesprochenes Wort) einen nur unregelmäßigen Zugriff auf den Wortschatz, was sich in den oben genannten Erscheinungsformen widerspiegelt.

Ein zu spätes Training im Wortschatzaufbau verursacht darüber hinaus einen Rückstand in der Entwicklung des Kurzzeitgedächtnisses. Meist wissen die betroffenen Kinder um Ihr Problem d.h., dass sie merken, dass Ihnen Wörter nicht einfallen. In der Therapie wird es daher möglich, das betroffene Kind zu einem aktiven Mitdenken über Wörter anzuregen.


3. Beschreibung und Prognose


Die kindliche Wortfindungsstörung weist also eine Vielzahl an Symptomen auf. Diese sind jedoch nicht alle bei einem Kind ersichtlich. Man darf eine Wortfindungsstörung jedoch nicht mit einer Lese-Rechtschreib-Schwäche oder einer Stottersymptomatik verwechseln.

Außerdem beeinflussen bestimmte Situationen das Symptomverhalten des Kindes. Der Abruf eines Wortes kann durch Hektik und/oder Anforderungen erschwert werden und kann abhängig von der Tagesform oder der Konstitution des betroffenen Kindes sein.

Um eine Aussage über das Vorliegen einer Wortfindungsstörung zu treffen, sind viele diagnostische Gesichtspunkte zu berücksichtigen:

  • Wie stellt sich das Symptomverhalten Ihres Kindes dar?
  • Lernt Ihr Kind neue Wörter?
  • In welcher Qualität kann sich Ihr Kind neu gelernte Wörter merken?
  • Versteht und/oder spricht Ihr Kind genauso viele Wörter wie Ihnen bekannte gleichaltrige Kinder?
  • Weiß Ihr Kind, was Tiere (Kleidung/Spielzeug)sind?
  • Kann Ihr Kind Reimen, Wörter zählen im Satz, Silben klatschen oder Anfangslaute in Wörtern erkennen?

Die letztgenannten Fähigkeiten erlangen ungestörte Kinder im Vorschulalter etwa im 5. Lebensjahr (Jansen at al., 1999). Sie sind vor Schuleintritt und für das Lesen- und Schreibenlernen enorm wichtig. Somit unterliegt die Wortfindungstherapie einem Mindestalter und erscheint erst mit Erwerb dieser Fähigkeiten sinnvoll (Siegmüller, 2008).

Eine zeitliche Eingrenzung der Erreichung der Therapieziele ist nicht möglich, da es immer auf das betroffene Kind selbst und dessen Fähigkeiten, dessen Motivation sowie auf die Regelmäßigkeit der stattfindenden Therapiesitzungen ankommt. Wie in jeder Therapie ist der Therapieerfolg also von einem guten Gleichgewicht zwischen den inneren und äußeren Umständen der Patienten abhängig.

Inputorientierte Wortschatz- und Grammatiktherapie nach Kauschke & Siegmüller


1. Erscheinungsbild


  • Spricht Ihr Kind mit über 24 Monaten weniger als 50 Wörter?
  • Äußert Ihr Kind mit über 2 Jahren bereits Zweiwortäußerungen?
  • z.B. Mama da, Papa auch, Keks haben
  • Versteht Ihr Kind Aufforderungen oder Fragen?
  • z.B. Gib mir den Ball! Oder: Wo ist der Ball?
  • Reagiert Ihr Kind auf Ansprache immer adäquat?
  • Ist Ihr Kind bereits 3 Jahre alt und zeigt Schwierigkeiten im Sprachverstehen?
  • Erkennt Ihr Kind alltägliche Gegenstände und benennt diese?
  • Weiß Ihr Kind was Tiere (Kleidung, Spielzeug…) sind?
  • Wurde bei Ihrem Kind eine neurologische Erkrankung oder ein Syndrom diagnostiziert?
  • Beobachten Sie bei Ihrem Kind besondere Auffälligkeiten in seinem Verhalten?
  • z.B. aggressives oder zurückhaltendes Verhalten
  • Können Sie Ausspracheschwierigkeiten feststellen? z.B. klingt die Prosodie (Wortbetonung) beim Sprechen nicht wie bei gleichaltrigen Kindern, zeigen sich Auslassung von Silben im Wort („Fant“ statt Elefant)

2. Dieses Erscheinungsbild kann entstehen, wenn…


  • das betroffene Kind den sprachlichen Input aus seiner Umgebung nur unzureichend nutzt
  • das betroffene Kind weniger Wörter als das ungestörte Kind lernt
  • wenn das betroffene Kind genauso viele Wörter lernt wie das ungestörte Kind, diese jedoch nicht behält
  • die aufeinander aufbauenden Entwicklungsphasen nicht optimal verlaufen (Entwicklungsorientierung am ungestörten Spracherwerb)
  • das betroffene Kind keine ausreichende Größe des frühen Wortschatzes erwirbt
  • bestehend aus Namen und Nomen (Ball, Mama), personal-sozialen Wörtern (ja, nein, hallo), relationalen Wörtern (auch, da), Verbpartikeln (weg, zu, auf) und Lautmalereien (wauwau)

3. Beschreibung und Prognose


Die Therapie mit jungen Kindern ab einem Alter von ca. 2 Jahren richtet sich nach der Aufmerksamkeit, der Kooperationsbereitschaft und den im Kind schlummernden Fähigkeiten die Therapiemethode anzunehmen und zu verarbeiten.

Bei Kindern mit einer nur geringen Sprachproduktion liegt der Schwerpunkt auf einer intensiven Inputtherapie ohne, dass eine explizite Anforderung an das Kind gestellt wird. Das heißt, dass in strukturierten Therapiesequenzen dem betroffenen Kind über Geschichten, Handpuppenspielen oder in gemeinsamen Handlungssituationen Wörter (hallo, Oma, da, rein usw.), Wortkombinationen („Teddy auch“, „Apfel essen“, „da Ball“) oder andere Zielstrukturen (Verben, W-Fragewörter, Nebensatzeinleiter) angeboten werden. Dabei sollen Bilderbuchuntermalungen, Dialoge zwischen Handpuppen oder der Therapeutin und einer Handpuppe die betroffenen Kinder motivieren.

Häufig stellt gerade der sprachliche Alltag die betroffenen Kinder und deren Eltern bzw. andere Bezugspersonen vor eine große Herausforderung. Eine zusätzliche Unterstützung der Eltern über eine intensive Elternberatung geht mit der Arbeit am Kind einher.

Das optimierte Sprachangebot soll dazu beitragen den sprachlichen Lernprozess in Gang zu setzen. Dabei wird sich an der ungestörten Sprachentwicklung orientiert, in der die Kinder sog. Zeitfenster erreichen müssen. Die Prognose für ein sprachauffälliges Kind hängt davon ab, ob das Einsetzen der logopädischen Behandlung im Rahmen eines günstigen Zeitfensters liegt. Eine zeitliche Eingrenzung der Erreichung der Therapieziele ist nicht möglich, da es immer auf das betroffene Kind selbst und dessen Fähigkeiten, dessen Motivation sowie auf die Regelmäßigkeit der stattfindenden Therapiesitzungen ankommt. Wie in jeder Therapie ist der Therapieerfolg also von einem guten Gleichgewicht zwischen den inneren und äußeren Umständen der Patienten abhängig.

Der Erwerb der Laute bei Kindern im Alter von 0 bis 5 Jahren


Liebe Eltern und interessierte Leser,


erfahrungsgemäß und wissenschaftlich belegt, beginnt ein Kind mit ca. einem Jahr das 1. Wort zu sprechen. Doch vor dem großen Ereignis des 1. Wortes muss es eine Menge an vorausgehenden Fähigkeiten erwerben. So reift das Sprachverständnis eines Kindes schon ab dem Tag der Geburt und muss sich bis zum 1. Lebensjahr enorm weiter entwickeln. Wie schnell einem Kind dies gelingt, hängt von äußeren Faktoren und seinen inneren Voraussetzungen ab. So braucht es viel Zuwendung und sprachlichen Input durch die Eltern oder andere Bezugspersonen. Nur, was das Kind hört, kann es lernen, verändern und sich somit weiterentwickeln. Die Imitation spielt dabei eine besonders wichtige Rolle. Dem Kind muss ein aktives Erleben seiner Umwelt geboten werden, damit es seine in ihm schlummernden Fähigkeiten nutzen und erweitern kann.

Eine logopädische Therapie im Bereich der Aussprache ist vor dem 4. Lebensjahr nur begrenzt möglich. Ein Kind muss über eine Bewusstheit für Laute verfügen, damit es seine Aufmerksamkeit in der Therapie auf sie lenken kann. Dies betrifft vor allem das Hören der Laute in Silben, Quatschwörtern und Wörtern. Darüber hinaus muss man genau betrachten, ob das Kind im Wortschatz, dessen Kategorisierung oder der Grammatik Schwierigkeiten besitzt. Auffälligkeiten in diesen Bereichen können einen enormen Einfluss auf die Aussprache des Kindes haben.

Wie Kinder bestimmte Laute und somit Sprache erlernen, haben wir auf den nächsten 2 Seiten in einer Tabelle zusammengefasst.

Alter
(ca. Angaben)
Sprachverständnis Sprachproduktion Beispiele
0.-2. LM In diesem Zeitraum lernt das Kind bekannte und fremde Stimmen (Muttersprache; Fremdsprache) wahrzunehmen. Wir nennen dies die „universelle Sprachwahrnehmung“. Das Kind zeigt sprachspezifisches Säuglingsschreien. bei Hunger, Durst Müdigkeit oder Unwohlsein usw.
2.-4. LM Mit ca. 2 Monaten kann das Kind bereits Silbenlängen und mit ca. 4 Monaten den Sprachrhythmus der jeweiligen Muttersprache erkennen. Es äußert Gurr-Laute und Lachen.
4.-8. LM Das Kind besitzt  hervorragende nicht sprachspezifische lautunterscheidende Fähigkeiten und nimmt bereits Vokale wahr. Die 1. Lallphase beginnt (Vokal Play). Das Kind produziert erkennbare sprachartige Laute und variiert Tonhöhe und Lautstärke. Die Zuordnung des Lallens zu spezifischen Sprachen ist durch die Annäherung an das muttersprachliche Lautinventar, die Intonation und die Vokalfärbung möglich. Selbst Laien können das Lallen muttersprachlich zuordnen. Die Äußerungen sind noch unwillkürlich. aaaaaaa …
8.-10. LM Das Kind erkennt ihm bereits bekannte Wörter (ca. 3 Wörter). Es erkennt nun die inneren Strukturen der Wörter und deren Betonungsmuster. Die Wahrnehmung  für sprachspezifische Konsonanten nimmt zu. Die 2. Lallphase beginnt. Hier zeigt sich nun ein Wechsel von betont zu unbetont (Trochäische Strukturen des Deutschen). Das Kind ist in der Lage diese zu wiederholen d.h., das Kind kann sich willkürlich äußern (Silbenwiederholungen und Konsonant- Vokal Strukturen). Sprachspezifische Aspekte wie Betonung, Tonhöhe und Vokalqualitäten nehmen zu. Die Vokalisation ist oft mit Gestik verbunden. ga - ga wa – wa
12. LM Das Kind versteht vermehrt Wörter, die es gehört und verstanden hat. Dies ist ein wichtiger Meilenstein für die Wortproduktion. Die semantische Repräsentation ähnelt sehr der erwachsenen Form. Die lautliche Repräsentation besteht aus den hervorstechendsten Elementen der Sprache der Erwachsenen. Das Kind spricht erste Wörter (Prototypen), die vorwiegend aus den Lauten /m, n, b, p, t, d/ und Vokalen bestehen. Mama Papa da …
18. LM DieWahrnehmung der Laute ist zunächst wortbasiert, d.h., dass das Wort als Ganzes wahrgenommen wird. Das Kind unterscheidet also keine lautlichen Elemente (Silben, Wortanfang, Wortende usw.).
bis spätestens 30. LM Zwischen dem 2. und 3. Lebensjahr bleibt die Lautwahrnehmung noch wortbasiert. Dabei erweitert sich die Lautentwicklung stetig und das Kind zeigt eine starke Variabilität in seiner Wortproduk- tion. Die Gründe dafür sind, dass die Wörter je nach Komplexität unterschiedlich schnell erworben werden (Erwerbsstabilitätspha- sen) und die Artikulationsfähigkeiten sich weiter entwickeln müssen. Das Kind äußert eine große Anzahl an nicht eindeutig bewertbaren Aussagen, z.B. Pferd = ‘tert’; Radio = lala; Vogel = ot. Es können erste korrekte  Äußerungen beobachtet werden. Typisch lautliche Veränderungen vor dem 2;5. Lebensjahr sind:

  • Lautangleichungen (Assimilation)
  • Auslassung von (unbetonten) Silben
z.B. ist die Betonung des Wortes  „kaputt“ untypisch fürs Deutsche. Daher macht das Kind daraus „put“

  • Auslassen von Konsonanten am Wortanfang
  • Vorverlagerungen: /sch/, /ch1/ -> zu /s/ /ng/ /k/, /g/ -> zu /t/,/d/
  • Auslassung von Konsonanten am Wortende
  • glottale Ersetzung von  /R/ -> zu /h/
  • Plosivierung
  • Deaffrizierung /pf/ -> zu /f/
  • Babel (Gabel)
  • Nane (Banane)
  • emacht(gemacht)
  • Mils (Milch)
  • Finna (Finger)
  • Dans (Gans)
  • Hem (Hemd)
  • Holler (Roller)
  • Donne (Sonne)
  • Tof (Topf)
ab spätestens 30. LM Durch den Wortschatzzuwachs wächst auch die genaue Wahrneh-mung der einzelnen Laute. Dies ist nötig, um Wörter lautlich korrekt voneinander abzugrenzen und abzuspeichern. Je ausdifferenzierter der Wortschatz und die Grammatik des Kindes, umso besser ist seine Aussprache. Das Kind zeigt fast keine bis wenige Fehlbenennungen. Es setzt eine systematische  Simplifizierungsphase ein, d.h. dass das Kind seine Sprache stark vereinfacht. Typisch lautliche Veränderun- gen ab spätestens 2;5 Jahren zeigen sich wie folgt:

  • Vorverlagerung: /sch/ -> zu /s/
  • Auslassung von Konsonantenverbindungen am Wortanfang
  • Kontaktassimilation: /kR, tR/ -> zu /tR, dR/
  • Vorverlagerung: /ch1/ -> zu /s/
    /k, g/ -> zu /t, d/
  • Rückverlagerung: /sch/ -> zu /ch1/
  • Siff (Schiff)
  • Itze (Spritze)
  • grei (drei)
  • Els (Elch)
  • Tüche (Küche)
  • Fich (Fisch)
ab 35. LM Das Kind hat fast alle Konsonantenverbindungen erworben. tR, kR, schn, bl …
bis 3,11 Jahre Das Kind hat alle Laute erworben.
bis 4,11 Jahre Das Kind ersetzt noch [sch] durch /s/ Sneemann (Schneemann)

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